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Prüftage |
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vom 27.10. bis zum 11.11.1993 |
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Prüfobjekt |
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Maschineller Respelantrieb |
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Prüfverfahren |
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vergleichende Raspelverfahren an
humanem Präparat |
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Prüfklima |
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DIN 50014-23/50-1 |
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Dipl.-Ing. Univ. Chr. Kaddick
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T. Herrmann |
1. Einleitung
In dem
folgenden Prüfbericht wird ein Vergleich zwischen
manuellen und maschinellen Antrieben von Raspeln zur
spanenden Markraumpräparation beschrieben. Bei Ersterem
wurden normierte Raspeln entsprechend der operativen
Vorgehensweise mittels Hammerschlägen vorangetrieben,
der zu vergleichende maschinelle Antrieb erfolgte mit
einer druckluftbetriebenen Maschine (Fa. IMT).
Darüberhinaus wurden die Testreihen entsprechend der
klinisch eingesetzten Instrumente jeweils mit
geschliffenen und geschlagenen Raspeln durchgeführt. Das
Abtragsverhalten der vier resultierenden Versuchsgruppen
wird im folgenden Prüfbericht gegenübergestellt
Die
Beschaffenheit der bearbeiteten Flächen wird anhand der
standardisierten Rauhigkeitswerte und Oberflächenprofile
beurteilt.
2.
Material und Methode
2.1
Probenherstellung
Die Proben für
den Versuch wurden aus humanen Femura (32-86a)
hergestellt. Durch Sägen und anschliessendes Schleifen
von Knochenabschnitten aus anatomisch annähernd ebenen
Abschnitten im Bereich der Facies medialis wurden Proben
mit den Flächen 10 mm x 20 mm gewonnen. Im Sinne einer
Probennormierung wurde jeweils eine Seite der
Knochenstücke plangedreht. Hierzu wurden die Proben mit
dem Kunststoff Technovit® in runden Probenhaltern
eingebettet.
Für die
Bestimmung der Oberflächenrauhigkeit wurden von den
Proben Abdrücke mit dem silikonartigen Impregum® F der
Firma ESPE angefertigt, welche wiederum als Vorlage für
Gipsabdrücke dienten. Diese Duplikate aus hochfeinem
Gips konnten dann auf ihre Oberflächenrauhigkeit
vermessen werden. Die Proben wurden vor dem Versuch mit
einer Analysenwaage (Ablesegenauigkeit ±0,1 mg) gewogen.
Um einen Einfluss der Gefrierlagerung auszuschliessen,
wurde die Wägung nach 4 Tagen wiederholt.
Die
Bezeichnung der Proben wurde willkürlich festgelegt, von
den 32 hergestellten Proben wurden für die Versuchsphase
I 18 Proben ausgewählt.
2.2
Prüfstandbeschreibung
Der verwendete
prüfstand ermöglichte eine spanende Bearbeitung von
Knochenproben unter normierten und reproduzierbaren
Bedingungen. Analog der Präparation des markraumes zur
Implantation eines Hüftendoprothesenschaftes war die
Raspel-Vorschubrichtung um 5° zur Probenoberfläche
geneigt. Die Probenfixierung erfolgte wie in Abschn. 2.1
beschrieben mit Kunststoff in einer dafür vorgesehenen
Halterung.
Jeweils eine
geschlagene Raspel (Grad 4) und eine geschliffene Raspel
(Abstand der Schneiden 3 mm) wurden in einer
Klemmvorrichtung fixiert und mit einem Handstück bzw.
einem Maschinenanschluss verbunden. Die Raspeln hatten
eine spanende Oberfläche von 15 mm x 25 mm.
...................
Abb. 1:
Skizze des Prüfstandes
2.3
Versuchsdurchführung
Die
Bearbeitungsdauer betrug unabhängig von dem gewählten
Raspelverfahren jeweils fünf Sekunden. Variiert wurden
nun die Antriebe und Raspelarten. Für den maschinellen
Raspelantrieb wurde der IMT-Rüttler, der über eine
Schubstange mit der Raspelhalterung verschraubt war, mit
Druckluft von 8 bar betrieben.
Das manuelle
Einschlagen der Raspeln erfolgte mit einem
handelsüblichen Hammer (Gewicht 300 g). Während der
Versuchsperiode von fünf Sekunden wurden zwölf bis
dreizehn Schläge mit dem Hammer auf die Schubstange
ausgeführt, was einer normalen Schlagfrequenz
entspricht.
Für die vier
möglichen Kombinationen aus Antrieb und Raspelart wurden
jeweils vier Proben verwendet.
3.
Ergebnisse
Es fiel auf,
dass bei manuellem Antrieb die Raspeln wesentlich
schwerer zu lösen waren als bei maschinellem Antrieb.
Die grösste Klemmwirkung trat bei der Kombination aus
manuellem Antrieb und geschlagener Raspel auf. Die
starre Verbindung der Raspel mit dem Rüttler ermöglichte
ein gutes Raspelausziehverhalten, welches durch
kurzzeitige Betätigung des Rüttlers während des
Ausziehens weiter verbessert werden konnte.
Die
geschliffenen Raspeln erzeugten einen deutlich
gleichmässigeren und flächigeren Abtrag als geschlagene
Raspeln. Bei letzteren waren makroskopisch deutliche
Riefen der einzelnen Raspelzähne erkennbar.
3.1
Abtragverhalten
Das
Abtragverhalten wurde anhand der Gewichtsänderung der
Proben (vor und nach Einschlag der Raspeln) ermittelt.
Die Bestimmung des Probengewichtes nach dem Versuch
wurde auf der in Abschn. 2.1 erwähnten Analysenwaage
vorgenommen. Tabelle 1 gibt einen Überblick der
gewonnenen Ergebnisse.
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Tabelle 1:
Versuchsergebnisse der Abtragsmenge mit
unterschiedlichen Raspeln und Verfahren.
........
Abb 2:
Vergleich der Abtragsmenge von geschliffener und
geschlagener Raspel bei Variation des Antriebs.
Es wird
deutlich, dass durch die Verwendung einer geschliffenen
Raspel gegenüber der geschlagenen Raspel unabhängig von
der Antriebsart stets eine erhöhte Abtragsmenge bei
gleichem Zeitintervall erzielbar ist (19% maschinell,
38% manuell). Die bei Verwendung des maschinellen
Antriebs erreichte zusätzliche Erhöhung des Abtrages
beträgt für die geschlagene Raspel ca. 77% und für die
geschliffene Raspel ca. 52%.
3.3
Oberflächengüte
Die Messung
der Oberflächenrauheitswerte wurde analog den in Abschn.
3.1 beschriebenen Gruppierungen durchgeführt. Im
Oberflächenprofil deutlich sichtbar waren die
Rauhigkeitsanteile, die durch Riefenbildung und durch
die Endpunkte der Bearbeitsspuren der einzelnen
Raspelzähne entstanden sind. Diese Vertiefungen wurden
in den Messungen als Bezugsprofil angenommen. Das Profil
der Proben, die mit einer geschliffenen Raspel
bearbeitet wurden, war erheblich glatter und wies
lediglich Höhenunterschiede bis zu 70 µm (bei manuellem
Antrieb sogar nur 50 µm) auf. Im Vergleich dazu lagen
diese Höhendifferenzen bei Profilen nach Bearbeitung mit
geschlagenen Raspeln bei 300 µm bei manuellem Antrieb,
und sogar 450 µm nach Einsatz des IMT-Rüttlers.
........
Abb. 3:
max. Höhenunterschiede im Profil in µm
Die
geschliffene Raspel hat also, im Sinne eines
gleichmässigen Abtragsverhaltens, unabhängig vom Antrieb
nur einen geringen Einfluss auf die Profilbeschaffenheit
der Femurprobe. Auf den Seiten neun und zehn werden in
den Abbildungen fünf bis acht die überhöhten
Profilverläufe der Raspeln jeweils in
Bearbeitungsrichtung und quer dazu dargestellt. Eine
weitere Betrachtung der Rauhigkeitswerte für die
einzelnen neu entstandenen Profile zeigt, dass die
Verhältnisse der Rauhigkeiten untereinander sich genau
entgegen denen der Profilschwankungen verhalten. Dies
rührt daher, dass hier ein grosser Anteil der geringen
Höhenunterschiede im Profil bei den, mit geschliffenen
Raspeln bearbeiteten Proben schon in die Messungen der
Rauheitswerte mit eingeht.
........
Abb. 4:
Zunahme der Rauhigkeitswerte (Durchschnitt über beide
Messrichtungen)
Bei
Betrachtungen der überhöhten Profilverläufe ist
festzustellen, dass die Endpunkte der Bearbeitungsspuren
der geschliffenen Raspel einen geringen Anteil am
Profilverlauf haben und in den Bereich der
Oberflächenrauhigkeiten fallen, wodurch die nach DIN
genormten Filter die zu messende Oberfläche annähernd
als Ebene interpretieren. Die Schwankungen um den
Profilverlauf liegen in einem Bereich von 20 µm und sind
im Vergleich zu den Profilschwankungen nur von
untergeordneter Bedeutung.
4.
Diskussion
Der Einsatz
eines maschinellen Raspelantriebes ergab sowohl
hinsichtlich der Abtragsmenge als auch hinsichtlich der
erzielten Oberflächengüte eine Verbesserung gegenüber
der manuellen Präparationsmethode. Unter Verwendung der
im Vergleich zu geschlagenen Raspeln stets günstiger
spanenden geschliffenen Raspeln konnte bei gleichem
Zeitintervall etwa die doppelte Knochenmenge entfernt
werden.
Durch die
annähernd kraftlose Bearbeitung wurde ein Verklemmen in
der Versuchsvorrichtung vermieden, wodurch die Gefahr
einer proximalen Schaftfissur bei der Präparation
reduziert werden kann.
Die Geometrie
des erzeugten Implantatlagers entspricht den erreichten
Abtragsmengen d.h. die sich unter Verwendung des
maschinellen Antriebes tiefer in das Femur spanenden
Schneiden, schlagen sich in einer Erhöhung der
gemessenen Profiltiefen nieder. Während die gemessene
Abtragsmenge geschlagener Raspeln aus eng lokalisierten
Bereichen mit grossen Vertiefungen resultiert, konnte
durch geschliffene Raspeln ein eher flächiger Abtrag
erreicht werden. Entsprechend dem kraftloseren Einsatz
des maschinellen Antriebes, zeigten die gemessenen
Rauhigkeitswerte eine Glättung Oberfläche ohne
ausgeprägte Stufung an den Bearbeitungsgrenzen.
Die
durchgeführten Untersuchungen führen zu der
Schlussfolgerung, dass die initiale Passung zwischen
Implantat und Femur bei gegebener Operationsdauer und
unabhängig von der Art des verwendeten
Präparationswerkzeuges durch die Verwendung eines
maschinellen Antriebes entscheidend verbessert wird.
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